Jugendliche, junge Erwachsene
Bad Doberan ist eine Stadt, in der noch nicht mal ein Zehntel der Einwohner zwischen 15 und 25 Jahren alt sind. Diese Gruppe wird seit Jahren kleiner. Das liegt zum einen am Rückgang der Geburten, zum anderen am Wegzug dieser Altergruppe aus Gründen, die in der Familie, der Ausbildung oder im Beruf liegen. Problematisch ist dieser Verlust durch Wegzug auch deshalb, weil in diesem Alter persönliche Bindungen eingegangen werden, die auch zur Sesshaftigkeit an einem anderen Ort führen und für viele Jahre die Rückkehr ausschliessen.
Eine große Anzahl Menschen dieser Altersgruppe kommt nur in die Stadt, um hier die Schulen zu besuchen. Dies wird morgens und am frühen Nachmittag erlebbar, wenn der Schülertransport stattfindet. Allerdings hat man später am Nachmittags und an Wochenenden den Eindruck, es gäbe diese jungen Menschen in Bad Doberan gar nicht. Bildbestimmend sind tagsüber in der Stadt die auffälligen jungen Leute, die sich auf öffentlichen Plätzen treffen und von vielen Bürgern und Besuchern der Stadt als störend empfunden werden. Dies sind jedoch nur etwa 2% dieser Altergruppe, zwischen 10 und 20 Personen.
Aus diesen Beobachtungen und Überlegungen kann man schlussfolgern, dass viele der jungen Leute “ganz normal zur Arbeit” gehen, ihre Freizeit nicht in der Innenstadt verbringen, sondern irgendwo anders. Sei es im Garten, zuhause, in Vereinen, mit Freunden, in anderen Städten. Bedenklich ist, dass diese Einwohnergruppe am stärksten abnimmt und damit einen erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt haben kann, denn dies ist die vielfältigste Gruppe in Hinsicht auf Ausbildung, Berufstätigkeit und Familienstand.
Eine der großen Aufgaben ist es deshalb, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Bad Doberan eine Heimat zu geben und dafür zu sorgen, dass sie die Stadt als dauerhaften Wohnsitz in Erwägung ziehen. Selbst wenn sie beruflich oder privat verursacht wegziehen müssen, so sollten sie doch wieder kommen, um in dieser schönen und liebenswerten Stadt das Seniorenalter zu verleben.
Daher müssen von Seiten der Verantwortlichen der Kommune Anstrengungen unternommen werden, um die Stadt für die 15-25jährigen so interessant und attraktiv zu machen, dass sie Bad Doberan als IHRE Stadt betrachten. Mit einer Infrastruktur, die Ihnen entgegenkommt, ihre Schul- und Arbeitszeiten berücksichtigt und die Bedürfnisse nach Bewegung, Freizeitaktivitäten, Kultur und Unterhaltung befriedigt. Hierfür ist zunächst der längst überfällige Dialog zu führen mit dem Ziel, eine an den jungen Bürgern orientierte Jugendkonzeption für die Stadt zu entwickeln und diese dann Schritt für Schritt mit den jungen Leuten gemeinsam umzusetzen. Vielleicht gelingt es, in diesen Prozess die problematischen Gruppen zu einem Teil einzubeziehen. Den Versuch muss man wagen.